Wimpernserum: Schau‘ mir auf die Augen

Wimpernserum: Schau‘ mir auf die Augen

Immer mehr Frauen wollen ein Wimpernserum kaufen. Sie wünschen sich schöne, lange Wimpern und möchten das Wimpernwachstum beeinflussen. Der Handel setzt inzwischen auf entsprechende Produkte, die das Wimpernwachstum fördern sollen. Wimperseren gibt es von verschiedenen Herstellern, die Preise liegen zwischen 2 Euro bis zu über 20 Euro – pro Milliliter. Valide Tests zu Anwendung oder Verträglichkeit liegen bislang nicht vor, auch wenn viele Internetseiten mit häufig selbst erstellten „Testergebnissen“ werben.

Wir sprachen mit Dr. med. Ludger Hanneken, Augenarzt und Direktor der VallmedicVision Klinik in Andorra, die sich auf die Implantation künstlicher Premiumlinsen spezialisiert hat.

Herr Dr. Hanneken, es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Wimpernseren. Worin unterscheiden sie sich, abgesehen vom Preis?

Wimpernseren können prinzipiell durch ihren rechtlichen Status als verschreibungspflichtige Medikamente, frei verkäufliche Arzneimittel, oder die Einstufung als kosmetisches Präparat unterschieden werden.Neben pflanzlichen Inhaltsstoffen werden Bio-Peptin-Verbindungen, Panthenol, Urea, Biotin und auch Hyaloronsäure verwendet. Häufig findet man aber pharmazeutische Inhaltsstoffe, wie das Hormon Prostaglandin bzw. dessen Varianten. Ein bekannter Ableger von Prostaglandin ist  z.B. Methylamido-Dihydro-Noralfaprostal oder Isopropyl-Cloprostenate.

Viele Hersteller werben mit „getestet“. Was bedeutet das? Welche sind tatsächlich medizinisch getestet?

Wenn man sich auf eine Internetrecherche begibt, kann man viele Testergebnisse finden, die allerdings nicht immer die Kriterien einer medizinischen Testung erfüllen. Meist sind es nur Erfahrungsberichte. Für Bimatoprost gibt es aber eine ganze Reihe medizinischer Studien, die ein stärkeres Wachstum und dichtere Wimpern bestätigten.

Ist die Anwendung tatsächlich unbedenklich?

Man muss je nach Zusammensetzung der Seren unterscheiden, ob deren Verwendung unbedenklich ist. Prostaglandinderivate sollten als Medikamente eingestuft werden und nicht als Kosmetika. Bei Medikamenten ist es Vorschrift, auf mögliche Nebenwirkungen hinzuweisen. 

Gibt es Nebenwirkungen?

Bei vielen Anwendungsbeobachtungen sind gravierende Nebenwirkungen kaum beschrieben. Aber man sieht häufiger eine Bindehautrötung und Reizung, Brennen oder Trockenheit der Augen, Entzündungen der Lidränder, allergische Reaktionen sowie, nicht selten, eine Verfärbung der Haut. Auch kann sich die Irisfarbe ändern, was dann durchaus auch irreversibel sein kann. Meist kann man nicht vermeiden, dass doch ein geringer Teil des Serums in das Auge gerät. Bei Kontaktlinsenträgern kann sich dann ein Wirkstoff an der Kontaktlinse ablagern und anreichern. Mögliche Nebenwirkungen können dann verstärkt werden, oder die Verträglichkeit von Kontaktlinsen lässt nach. 

Sind die Produkte zur Langzeitanwendung geeignet? Wenn ja, wie lange empfiehlt sich die Anwendung aus medizinischer Sicht?

Die Unbedenklichkeit einer Langzeitanwendung kann aus medizinischer Sicht nicht zweifelsfrei beurteilt werden, da entsprechende Studien fehlen. Grundsätzlich sollten aber Kinder, Schwangere oder stillende Frauen sowie Patienten mit Chemotherapie von Wimpernseren Abstand nehmen.

Ist es sinnvoll, zwischen einzelnen Produkten zu wechseln? Sollte man bestimmte Pausen in der Anwendung beachten?

Ein Wechsel der Produkte erscheint mir nicht sinnvoll, weil damit jedesmal das Risiko einer gewissen Unverträglichkeit eingegangen wird.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Grundsätzlich sollten nur Produkte verwendet werden, die wenigstens eine Verträglichkeitsprüfung nachweisen können. Auch empfiehlt es sich, jährlich Kontrollen beim Augenarzt durchzuführen. Mögliche Nebenwirkungen können dann früh genug erkannt werden.

Beitrag aus Servicezeit Radio Farbenspiel, 05.01.2017

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