„Der Seele gehorchen, bringt Freiheit“

„Der Seele gehorchen, bringt Freiheit“

Kommentar

Wenn der letzte Ton verklungen, der letzte Scheinwerfer ausgeschaltet und der letzte Vorhang gefallen ist, taucht der Künstler hinab in eine andere Welt. Udo Jürgens beschrieb diese Phase einmal in einem Interview überaus anschaulich und widmete ihr in einem seiner letzten Songs „Zehn nach elf“ sogar ein musikalisches Vermächtnis. So individuell die Zeit abseits des Rampenlichts ist, so persönlich sie jeder einzelne der immer wieder für Momente im grellen Licht stehende Star erlebt, so fragil ist die Grenze zwischen dem öffentlichen und dem privaten Dasein. Einige ziehen diese Trennung konsequent und mit Bravour durch. Andere verfallen immer wieder der magnetischen Anziehungskraft ihrer selbst geformten Öffentlichkeit. Und irgendwann hinterfragen sie nicht mehr, von welchen fremd geprägten Eindrücken, Informationen und sekundären Inhalten ihre Persönlichkeit, ihr Leben geprägt wird. Die Prägung wird zum Stempel, den sie nicht mehr abwaschen können.

Anspruch und Anstand

Wie viel Öffentlichkeit verträgt ein Musiker, Schauspieler, Sänger? Wie viel seines oder ihres Privatlebens verträgt die Öffentlichkeit, allen voran der Fan? Wer prominent bzw. eine besonders bekannte Persönlichkeit ist, wird automatisch zu einer Person des öffentlichen Lebens. So heißt es wenig emotional in der Sprache der Juristen. Entsprechend kollidieren das Medieninteresse und die Privatsphäre sehr schnell miteinander. Doch es sind nicht mehr als nüchterne Rechtsbegriffe ohne geltende Normen. Lediglich Gerichtsurteile geben bislang einen kleinen Einblick in die Problematik von Anspruch auf der einen und Anstand auf der anderen Seite.

Frage sozialer Intelligenz

Es stellt sich die Frage, ob auch in diesem Fall erst die Rechtsprechung Klarheit schaffen musste und muss. Ist es nicht vielmehr eine Frage sozialer Intelligenz, was ich von „meinem“ Prominenten an Einblick fordere und wünsche? Doch wie ist es andersherum? Wie konsequent darf ein Prominenter seinen Rückzug umsetzen, so dass er seiner Rolle und den Erwartungen der Öffentlichkeit gerecht wird? Wir erleben es gerade im Fall Robert Atzorn. Er beendet seine TV-Karriere mit einem eindeutigen Schlussstrich: Von jetzt auf gleich wird Atzorn nicht mehr im Fernsehen zu sehen sein. Weder in Spielfilmen noch in Talkshows. Nicht einmal eine Gala wird er wahrnehmen, auch keine Fanpost mehr beantworten. Und viele fragen sich: Darf er das?

Robert Atzorn sagte einmal: „Dem Ego nachzugeben, bedeutet Gefangenschaft. Der Seele gehorchen, bringt Freiheit.“ Der Schauspieler bleibt sich dahingehend treu. Wer ihn kannte und in seiner Persönlichkeit schätzte, wird den Schritt und sein Handeln verstehen. Es gibt auch und gerade bei Prominenten keinen Anspruch auf normiertes Handeln. Weder im öffentlichen noch im privaten Leben. (Bild: ZDF/Gordon Timpen)

Alles Gute, Robert Atzorn!

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