Der Mann, den sie El Lute nannten

Der Mann, den sie El Lute nannten

„Dies‘ ist die Geschichte von El Lute“ beginnt ein Hit der Gruppe Boney M. aus dem Jahre 1979. Im Lied, das später von Michael Holm in deutscher Fassung ebenfalls ein Hit wurde, geht es um einen Mann aus Spanien, der, ähnlich wie Robin Hood, sich für das Recht aller Rechtlosen einsetzte, erst zum Tode verurteilt und schließlich begnadigt wurde. Das alles klingt wie ein Märchen aus längst vergangenen Zeiten. Doch im Song über El Lute steckt viel Wahrheit – und seine Geschichte ereignete sich vor gar nicht allzu langer Zeit.

Überfall mit Folgen

„El Lute“ heißt mit bürgerlichem Namen Eleuterio Sánchez Rodríguez und wurde 1942 im spanischen Salamanca geboren. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend beging er im Alter von 23 Jahren, gemeinsam mit Komplizen, seinen ersten Diebstahl. Opfer war ein Juwelier in Madrid. Einer der Mittäter erschoss einen Wachmann, auf der Flucht wurde ein achtjähriges Mädchen tödlich verletzt; die Polizei konnte die Diebe, unter ihnen El Lute. Sie wurden zum Tode verurteilt.

Vom Dieb zum Nationalhelden

Doch General Franco begnadigte El Lute, der auf seiner Unschuld beharrte und wandelte die Strafe in lebenslange Haft um. 1971 gelang El Lute die Flucht aus dem Gefängnis. Er hatte während der Arbeit in einer Teppichweberei Fadenstücke gesammelt und nach einigen Jahren zu einem Seil verarbeitet. Dankbar war El Lute dem Diktator übrigens auch weiterhin nicht: Er beteiligte sich an Protesten gegen Franco und wurde durch seine Wehrhaftigkeit gegenüber der Polizei, die nicht beliebt war, zu einer Art Nationalheld. Franco starb im Jahre 1975, El Lute wurde 1981 endgültig begnadigt.

Heute arbeitet Eleuterio Sánchez Rodríguez als Rechtsanwalt in Madrid. Über seine Lebensgeschichte möchte er nicht sprechen. Es heißt aber, er arbeite an seinen Memoiren.

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