Helene Fischer Weihnachtsshow: Doch nur Entertainment

Helene Fischer Weihnachtsshow: Doch nur Entertainment

Über das TV-Programm wird nur dann diskutiert, wenn etwas abseits der Norm erscheint. Das zeigt die Armseligkeit des Üblichen. Doch was ist die Norm?

Wir müssen uns nichts vormachen: Die „Helene-Fischer-Show“ gehört inzwischen zum ersten Weihnachtstag, wie das „Traumschiff“ zu Neujahr. Immerhin gibt sich inzwischen ein Anteil von knapp einem Fünftel des Fernsehpublikums der Künstlerin willenlos hin. Sei es, weil es als Fan einfach ein Muss ist, einzuschalten, sei es, um der Eintönigkeit des von verwandtschaftlichen Besuchen geprägten Feiertages ein Stück medialen Glanzes zu verleihen. Dem steht grundsätzlich nichts entgegen: Jeder soll und darf auf seine Weise glücklich werden.

Geblendet von Glanz und Glitter

Eigentlich würde man von den Fernsehgewohnheiten seines Nachbarn auch wenig Kenntnis nehmen, wenn nicht am anderen Tag die Show selbst öffentlich zu einem Highlight und die Präsentatorin zur Ikone stilisiert würde. Hat das deutsche Fernsehen tatsächlich keine diskussionswürdigeren Alternativen zu bieten, die dann den zweiten Feiertag redaktionell prägen? Oder lässt sich der von ermüdenden Talkrunden und zähen Fernsehfilmen geplagte Zuschauer nur allzu leicht von Glanz und Glitter blenden?

Nicht der Rede wert

Nun, das Meiste, was heut zu Tage im TV läuft, ist weit vom Anspruch einer ausführlichen Diskussion entfernt. Es ist einfach nicht der Rede wert, wenn sich irgendein Regieabsolvent an einer neuen „Tatort“-Version ausprobiert. Oder bei einem lustigen Streich mit der versteckten Kamera zum hundertsten Mal ein Geldautomat Wasser auf die Kunden spritzt. Selbst ein „Fest“ mit Florian Silbereisen nötigt den Kulturredakteuren zwar persönliche Angriffe auf den Moderator, nicht jedoch kompetente inhaltliche Wahrnehmungen ab. Womit wir praktisch fließend zurück zu Helene Fischer gelangen.

Noch viel Luft nach oben

Auch sie und ihre Show sind nicht mehr, als Entertainment. Gelungen, aber eben doch nur Unterhaltung. Ein frischer Tropfen im abgestandenen Wasser der TV-Bespaßung, die offenbar längst im Eimer ist und als „normal“ akzeptiert wird. Dass im Nachhinein so viel und so ausführlich das Ereignis kommentiert wird – selbst der „Spiegel“ widmet Fischer eine Fotostrecke – zeigt vor allem, dass unterhaltungstechnisch bei sämtlichen Sendern noch viel Luft nach oben ist. (Bild: ZDF)

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